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Renovierung des Turms der Kirche St. Martin:Richrather Wahrzeichen soll in neuem Glanz erstrahlen

Die Bauzäune und die weißen Schutzplanen rund um den Turm der Kirche St. Martin, Richrath, zeigen es an, die notwendige Renovierung startet in diesen Tagen. Nach der Abklärung der finanziellen und baurechtlichen Fragen zwischen dem Kirchenvorstand von St. Josef und Martin und dem Erzbistum Köln liegt mit Datum vom 25. August 2026 nun auch die offizielle baurechtliche Genehmigung der Unteren Denkmalhörde der Stadt Langenfeld vor. Die Arbeiten am ältesten, erhaltenen Baudenkmal in Langenfeld können beginnen.
Datum:
5. Sept. 2026
Von:
Thomas Dillmann
TurmStMartin-Klaas-293

Nach der ausführlichen Begehung des Turms am 13. August 2026 durch den beauftragen Architekten Manfred Stommel-Prinz mit Vertreterinnen und Vertretern des Kirchenvorstandes, der Denkmalbehörde sowie dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) und der Auswertung der Ergebnisse steht nun fest, welche Arbeiten notwendig sind.

Konkret geht es um die Instandsetzung und Reparatur des Außenmauerwerkes, die Auswechslung und Erneuerung von Bauteilen an der Westfassade und die Anbringung einer Regenrinne und Regenfallrohren. Die Baugenehmigung sieht vor, dass die Restaurierung durch das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland begleitet werden.

 

Historisches Bauwerk sichern

Die Leitung der Baustelle liegt in den Händen von Architekt Manfred Stommel-Prinz, der sämtliche Maßnahmen koordiniert. Er erklärt: „Bei der Sanierung des Turms geht es nicht darum, möglichst viel zu erneuern, sondern darum, das vorhandene historische Bauwerk so  behutsam wie möglich zu sichern und für die Zukunft zu erhalten. Das Außenmauerwerk und insbesondere die Bereiche der Westfassade werden nun zunächst an Referenzflächen sorgfältig untersucht und dann dort, wo es erforderlich ist, in engster Abstimmung mit der Unteren Denkmalbehörde und dem LVR fachgerecht instandgesetzt.“ Ein wesentlicher Schritt dabei: Die Entwässerung des Daches wird zukünftig über Fallrohre erfolgen. Stommel-Prinz: „Das geschieht, damit die Fassade in Zukunft deutlich weniger durch Niederschläge belastet wird.“

„Umfangreicher Neufund von Säulen aus Kalksinter“

Für den Denkmalschutz ist der Turm von St. Martin in Richrath keine Baustelle wie jede andere. Großes Interesse der Experten des LVR-Amts für Denkmalpflege im Rheinland ruft der Zustand der Säulen in den Schallöffnungen im obersten Turmgeschoss hervor. Restaurator Christoph Schaab bezeichnete die Säulen als „umfangreichen Neufund einer größeren Anzahl von Säulen aus Kalksinter.“ Kalksinter stammt aus der römischen Eifelwasserleitung nach Köln und gehöre zu den wenigen Gesteinen, deren heute noch nachweisbare Verwendung nahezu lückenlos dokumentiert sei, erklärte der Restaurator. 

Die Begeisterung für den Neufund war dem Experten Schaab regelrecht anzumerken. Er sagt: „Die noch vorhandenen zehn Säulenschäfte aus Kalksinter sind recht lang und weisen alle einen fast gleichen, recht großen Durchmesser auf. Man kann vielleicht sagen, dass hier schon in romanischer Zeit um 1180, als der Turm gebaut wurde, Material von ‚erster Qualität‘ verwendet wurde, denn an anderen Türmen sind die gelegentlich noch vorhandenen Kalksintersäulen oft kürzer und oft auch unterschiedlich dick, manchmal sogar etwas krumm, wenn der Sinter aus einer Biegung der Wasserleitung ausgebrochen wurde.“ 

Nur Reinigungsarbeiten erforderlich

Nach Schaabs Einschätzung müssen die Säulen nur gesäubert werden. Er erläutert: „Erfreulich ist auch der sehr gute Zustand der jetzt fast 850 Jahre alten Säulen, deren Oberflächen zwar leicht aufgeraut und verschmutzt sind, die aber weder Risse oder Brüche noch größere Fehlstellen zeigen. Außer einer vorsichtigen Reinigung werden an den Säulen also keine weiteren Arbeiten erforderlich sein.“

„Mätes“ soll wieder in voller Pracht erstrahlen

Udo Pohlmann, Mitglied des Kirchenvorstands von St. Josef und Martin und Vorsitzender des Bau- und Liegenschaftsausschusses, freut sich über diese Bewertung. Denn mit der Begutachtung durch die Denkmalexperten und den nun eingeleiteten Restaurierungsarbeiten könne man den Richrathern und Langenfeldern die Sorge um ihr Wahrzeichen, den „Mätes“ nehmen. Pohlmann erklärt: „Jetzt können alle an der Renovierung des Kirchturms beteiligten Handwerker gemeinsam mit dem Architekten und dem Bauausschuss unserer Gemeinde ‚Vollgas‘ geben, damit alle Richrather und Langenfelder schon bald ihren liebgewonnen ‚Mätes‘ wieder in voller Pracht für viele weitere Jahrhunderte erstrahlen sehen können.“

Ältestes Baudenkmal Langenfelds

Pfarrer Dr. Alexander Krylov dankte im Namen der Kirchengemeinde St. Josef und Martin allen Beteiligten, die die Renovierung angestoßen haben und nun umsetzen: „Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit den Verantwortlichen im Erzbistum sowie in den Behörden und im Kirchenvorstand unseren Beitrag zum Erhalt des Turms leisten können. Das ist für uns von besonderer Bedeutung, schließlich wurde der heutige Turm bereits im 12. Jahrhundert gemeinsam mit einer größeren romanischen Kirche errichtet. Er ist das älteste Baudenkmal Langenfelds und überdauerte sämtliche Kirchenbauten, die alle dem heiligen Martin von Tours geweiht waren.“

TurmStMartin-Klaas-290

Zielmarke: Tag des offenen Denkmals 2027

Nach Einschätzung des Architekten werden die Arbeiten bis zu einem Jahr dauern. Stommel-Prinz: „Alle Beteiligten freuen sich, wenn der Turm zum Tag des offenen Denkmals am 12. September 2027 wieder offen ist.“ Dann soll das Richrather Wahrzeichen in neuem Glanz erstrahlen. Die Verantwortlichen der Kirchengemeinde wollen bis dahin regelmäßig über die Fortschritte auf der Baustelle informieren.