Die heutige Reusrather Kirche St. Barbara

Die heutige Kirche St. Barbara wurde ab 1895 erbaut und 1898 geweiht.
Außenansicht
Datum:
15. März 2020
Von:
Ortsausschuss St. Barbara

Der Turm

Der Turm der Kirche besteht aus drei Teilen. Im unteren unterster das Seitenportal und auf zwei Seiten Spitzbogennischen mit je drei schmalen Fenstern ihren Platz. Zum mittleren gehören - von unten gesehen - auf zwei Seiten runde Felder, in denen sich nach ursprünglichen Planungen die Uhr befinden sollte, und dann auf allen vier Seiten die Schallöffnungen, hinter denen sich die Glockenstube verbirgt. Der dritte Teil ist der Turmhelm, der auf einer von jeder Seite achtteiligen Spitzbogengalerie ruht. Den Übergang zum Dach bildet ein "Zackenkrenz" aus abgewalmten Verdachungen an den Ecken und dreieckigen Mauerflächen an den vier Seiten, auf denen die Ziffernblätter der Uhr angebracht sind. Der Turmhelm ist von einer Kugel, einem Kreuz und einem Hahn bekrönt. Durch die asymmetrische Stellung des Turmes wirkt die Hauptfassade leichter.

 

 

Der Innenraum

Bei der Kirche handelt es sich um eine dreischiffige Pseudohallenkirche, das heißt, die beiden Seitenschiffe sind fast gleich hoch wie das Mittelschiff und es besteht keine direkte Beleuchtung des Mittelschiffes durch Fenster über den Seitenschiffdächern. Das Gewölbe wird von fünf Rundsäulen getragen, die sechste ist als Teil des Turmmauerwerkes nur als Wandvorlage ausgeführt.

Neben der Rosette kommen drei verschiedene Fensterformen in der Kirche vor: Die Fenster im Chor und an dern Stirnseiten der Seitenschiffe sind einbahnig und konnten so eine Motivverglasung ohne Teilung erhalten. Die vier Seitenschifffenster sind zweibahnig. Dazwischen finden sich am oberen Ende Dreipässe, in denen drei mal eine Taube und einmal ein Ornament verglast wurde. Die Querhausfenster sind vierbahnig und zeigen aufwändig getaltete Motive. Siehe Fotos hier.

Die Kirche wurde 1934 unter der Leitung von Wilhelm Ritterbach (1878-1940) ausgemalt. Besonders beachtlich waren die Fresken im Altarraum, die das Letzte Abendmahl und das Opfer des Melchisedek zeigten. Die Malereien wurden in den sechziger Jahren übertüncht.

Bis in die dreißiger Jahre hatte es nur einen provisorischen Altar gegeben, der 1935 durch einen neuen, modernen Altar ersetzt wurde. Es handelte sich dabei um einen Flügelaltar von Franz Xaver Haak (1879-1949) (mit zwei Gemälden von W. Ritterbach). Die sechs Altarbilder befinden sich heute in der Taufkapelle (siehe dort auch Fotos und eine Beschreibung von F. X. Haak), aber auch u.a. das Altarkreuz sind bis heute Teil der Kirchenausstattung.

1938 wurde ein elektrisches Läutewerk eingebaut.

Die Kirche und das Pfarrhaus wurden am 8. Juli 1941 bei einem Fliegerangriff an Dach und Fenstern leicht beschädigt.

In den sechziger Jahren wurde die Kirche, dem Zeitgeschmack entsprechend, umgestaltet, indem zahlreiche Ausstattungsstücke wie die Altäre, die Kommunionbank, die Kanzel und die Beichtstühle entfernt sowie die Malereien übertüncht wurden. Auch einige Ausstattungsstücke aus dieser Zeit sind noch heute in der Kirche vorhanden.

Zehn Jahre später begann man, die Ausstattung wieder dem neugotischen Stil des Kirchengebäudes anzupassen. Dazu gehörte die Anschaffung eines neugotischen Hochaltares, der 1977 aufgestellt wurde, eine stilgerechte Ausmalung des Innenraumes, die Erneuerung der Treppenanlage vor dem Hauptportal, die Wiederaufstellung der ursprünglichen Zaunanlage und die Anschaffung weiterer Aussattungsstücke (siehe unten). Außerdem wurde auch der bauliche Bestand der Kirche saniert (am Turm, die Glockenstube, die Heizanlage, der Dachstuhl, verwitterte Fassadenverzierungen) und die Rosette neuverglast, da die zwischenzeitliche Verglasung mangelhaft eingebaut worden war.

Zusätzlich wurde 1994/95 über dem Portal an der Südseite ein Vordach errichtet, wobei man sich an die Pläne von T. Roß gehalten hat, der an dieser ursprünglich ein polygonales Chörchen vorgesehen hatte.

 

Die Innenausstattung

 

Die Innenausstattung

Der Sakramentsaltar wurde 1893 für die Kirche in Derschlag bei Gummersbach angefertigt und kam 1977 in die Kirche St. Barbara. Fotos und Beschreibung siehe hier. Da auch die ursprüngliche Kommunionbank verloren gegangen ist, wurde 1979 die um 1895 gefertigte Kommunionbank aus St. Michael in Dormagen erworben.

Nach ursprünglichen Planunugen sollten im Querhaus unter den großen Fenstern Beichtstühle aufgestellt werden. Diese wurden 1981 aufgestellt. 1984 wurde der aus Derschlag stammende Kreuzweg aufgehängt. Durch die Entfernung der Seitenaltäre und Verlegung der Sakristeitüren an die Stirnseiten der Seitenschiffe, konnte 1985 ein zweiteiliges Chorgestühl im Altarraum aufgestellt werden, das aus Resten einer Orgelbrüstung aus St. Antonius in Kürten-Bechen gefertigt wurde.  Darüber befindet sich ein Gemälde mit Darstellungen aus dem Leben der Hl. Barbara und ein Relief der Kreuzigung Petri nach Rubens. Im Altarraum wurde 1994 außerdem eine originalgetreue Rekonstruktion der Kanzel aus der alten Kirche unter Verwendung der erhaltenen 10 Relieftafeln aus dem 17. Jahrhundert aufgestellt werden.

An den Wandpfeilern des Altarraumes befindet sich links eine Marienstatue und rechts eine Barbarastatue. Einige Heiligenfiguren wurden 1974 in der Turmkammer gefunden, restauriert und wieder aufgestellt. Daneben ist neben dem Hauptportal eine Pietà zu finden, die auf einem kleinen Sockel mit der Abbildung des apokalyptischen Lammes aufgestellt ist. Im Eingangsbereich der Kirche findet eine Antoniusfigur Platz im Expositorium des Hochaltares der alten Kirche und zwischen den Nischen für Opferkerzen flankieren zwei - von Pfarrangehörigen zurückgegebene - Engelsfiguren das Gnadenbild der immerwährenden Hilfe.

Die Apostelleuchter wurden nach einem Muster eines Leuchters aus der St. Blasius-Kirche in Glottertal nachgegossen. Das ewige Licht findet in einer großen Lampe Platz, die in Köln erworben wurde und zahlreiche kleine Heiligenfiguren trägt. Das Taufbecken wurde im hinteren Teil des linken Seitenschiffes aufgestellt, wo die Altarbilder des Hochaltares von 1935  aufgestellt wurden. Siehe Fotos und beschreibungen hier.

1986 konnte der Zaun, der bis 1966 vor der Kirche stand, wieder aufgestellt werden.

 

 

Beschriftung der Tafel "Baudenkmal"

"In Reusrath hat im 11. Jahrhundert schon eine Kapelle bestanden" lesen wir im Handbuch des Erzbistums Köln von 1966. Möglicherweise gilt für die Zeitfestlegung dieser Kapelle die von Paul Clemen im Turm gefundenen Glocken des 12., 13. und 14. Jahrhunderts. Die Kapelle "Am Markt" erhielt - nach einer um 1480 datierten Aufzeichnung - das Barbarapatrozinium.

1667 wird die St.-Barbara-Kapelle als Pfarrkirche und der amtierende Priester als Pastor bezeichnet. Diese Pfarrkirche wird 1791 am alten Turm umgebaut und vergrößert; wegen Baufälligkeit wurde sie leider 1913 abgetragen.

Die Bemühungen um den Bau der Neugotischen Kirche an dieser Stelle begannen 1892 durch Herrn Pfarrer Valder und dem Kirchenvorstand. Nach der Grunsteinlegung 1895 erfolgte bereits am 20. März 1898 die Konsekration der somit dritten Reusrather katholischen Kirche durch Weihbischof Dr. Dr. Hermann Joseph Schmitz.

Die Großrenovierung und stilechte Wiederherstellung des Innenraumes mit den noch vorhandenen, von Pfarrbewohnern zurückgegebenen und neuerworbenen Originalstücken wurde - nach 20-jährigen Bemühungen - im 100-jährigen Weihejubiläum 1998 abgeschlossen.